AWO Regionalverband Mitte-West-Thüringen nimmt Tarifverhandlungen mit ver.di auf

Am 13. Mai luden Frank Albrecht, Vorstandsvorsitzender des AWO Regionalverbands Mitte-West-Thüringen, Katja Glybowskaja, stellvertretende Vorsitzende, und Präsidiumsmitglied Claudia Zanker in Erfurt zum gemeinsamen Pressegespräch mit dem Bundesvorsitzenden der Gewerkschaft ver.di, Frank Bsirske, ein. Anlass war die Aufnahme von Tarifverhandlungen mit dem Ziel, bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege, im Sozial- und im Bildungsbereich zu erreichen.

Hintergrund: Aufgrund zunehmend schlechter Rahmenbedingungen wirkt die Tätigkeit in sozialen Berufen für junge Menschen wenig attraktiv. Zugleich erfordern insbesondere der demografische Wandel und veränderte Familienstrukturen einen entsprechenden Ausbau des sozialen Bereichs.

Wir sind der Meinung: Der Staat darf sich hier nicht aus der Verantwortung ziehen. Das Ziel müssen bessere Arbeitsbedingungen sein, damit sich mehr junge Männer und Frauen für die sozialen Berufe interessieren. Rund 1,1 Millionen Menschen arbeiten zum Beispiel bundesweit in ambulanten Pflegediensten und stationären Pflegeeinrichtungen, mehr als 30.000 davon in Thüringer Einrichtungen − ihre Arbeitsbedingungen sind dabei so unterschiedlich wie ihre Bezahlung. „Wer Glück hat, arbeitet auf der Grundlage eines verlässlichen Tarifvertrags. Leider ist das oft nicht der Fall. Doch wer soziale Arbeit leistet, muss ein auskömmliches, gutes Einkommen erzielen. Das muss vor allem für die Beschäftigten im Freistaat Thüringen erreicht werden. Thüringen darf hier nicht länger hinter dem Niveau der anderen Bundesländer zurückbleiben“, so Frank Albrecht.

Der AWO Regionalverband Mitte-West-Thüringen e.V. sieht die Lösung unter anderem in einem bundesweit einheitlichen Tarifvertrag für die Pflege und unterstützt damit die Forderung des AWO Bundesverbandes. Im Rahmen seiner kürzlich veröffentlichten Weimarer Erklärung hat sich der AWO Regionalverband Mitte-West-Thüringen außerdem dazu entschieden, dem Arbeitgeberverband der AWO Deutschland beizutreten und mit der DGB-Gewerkschaft ver.di einen zukunftsweisenden Tarifvertrag zu verhandeln. Unser Regionalverband handelt hier im Einklang mit den Beschlüssen der AWO Bundeskonferenz, so mit dem Beschluss zur „Zukunft der Sozialen Berufe – Soziale Berufe der Zukunft″ aus dem Jahr 2016.

Der Entscheidung geht ein schon länger währender Prozess des Nachdenkens gemeinsam mit vielen Verantwortlichen unseres Verbandes voraus. „Ein Verband, der erfolgreich soziale Arbeit, Bildung und Pflege realisieren möchte und der Gesellschaft mitgestaltet, muss vor allem auf diesen Ebenen gut aufgestellt sein: Wertegebundenheit und Wertschätzung, Entwicklungsmöglichkeiten und Weiterbildung, gesunde Arbeitsbedingungen und gerechte Vergütung. Hier haben wir in den vergangenen Jahren schon viel getan“, so Katja Glybowskaja. „Der aktuelle Schritt ergänzt diese Entwicklung nun auch im Hinblick auf die Vergütung unserer Beschäftigten. Er ist eine wichtige, aber auch herausfordernde Entscheidung und wird getragen von unserem sicheren Eindruck, dass Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung die Auffassung teilen, dass für die Zukunft Thüringens und lebenswerte Lebensbedingungen eine tarifgerechte Bezahlung wichtig ist. Wir haben den Beschluss auch in dem Wissen um eine breite positive Unterstützung innerhalb und außerhalb des Verbandes getroffen.“

Claudia Zanker, Präsidiumsmitglied des AWO Regionalverbandes Mitte-West-Thüringen e.V., verweist auf die über 2.000 Thüringer Pflegekräfte, die täglich in benachbarte Bundesländer pendeln, weil sie dort höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen vorfinden. „Wir können es uns in Thüringen nicht mehr leisten, auf diese Fachkräfte zu verzichten. Ein Tarifvertrag mit ver.di ist auch ein Instrument im Wettbewerb um Fachkräfte“, sagt Claudia Zanker und ergänzt: „Wer gute Arbeit leistet, muss auch gut bezahlt werden. Verlässliche Vereinbarungen zur Entlohnung und zu den Arbeitsbedingungen auf der Grundlage eines Tarifvertrages sind elementar und wichtig. Wir stehen hier in der Verantwortung für unsere Mitarbeiter*innen. Unsere Erzieher*innen müssen auskömmlich bezahlt werden, sie müssen von ihrer Arbeit leben können. Dabei haben wir auch den Gehaltsunterschied zwischen den Erzieherinnen bei freien Trägern und der öffentlichen Hand im Blick und setzen uns dafür ein, diesen zu beseitigen. Der Pflegeberuf muss aufgewertet werden, wenn wir auch künftig die Versorgung in der Altenpflege in Thüringen sicherstellen wollen.“ Als Mitglied des AWO Landesvorstandes Thüringen sieht Claudia Zanker dabei für ihre zukünftige Arbeit im Landesvorstand einige wichtige Aufgaben.

Der Beschluss des AWO Regionalverbandes Mitte-West-Thüringen zur Aufnahme von Tarifverhandlungen mit ver.di fußt auf der im April verabschiedeten Weimarer Erklärung. Mehr als 80 Verantwortliche und Aktive des Regionalverbandes setzten sich in einer zweitägigen Klausur mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen, ihren Werten und ihrer Arbeit auseinander. In einer gemeinsamen Erklärung formulierten sie, wofür die Menschen im Regionalverband stehen und wie sie Zusammenhalt fördern können.

Weitere Beschlüsse aus der Weimarer Erklärung sind der gemeinsame Einsatz mit anderen Verbänden für die Verbesserung der Betreuungsqualität und des Personalschlüssels in allen Thüringer Kindergärten und die Unterstützung von Initiativen zur finanziellen Entlastung aller zu Pflegenden in Deutschland. Der AWO Regionalverband setzt sich für Transparenz aller Betriebe und Verbände in der Sozialwirtschaft genauso ein wie für Teilhabe und Vielfalt und lehnt jede Form von Rassismus und Ausgrenzung von gesellschaftlichen Gruppen ab.

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